
Nach zirka einem Monat im Nationalpark Cabo de Gata-Nerja sind wir froh, endlich wieder rollen zu können. Spanien hat angekündigt, über die Osterzeit die Coronamassnahmen noch zu verschärfen. Wir wollen darum noch vor Ostern innerhalb der Autonomen Gemeinschaft Andalusien mit seinen 8 Provinzen weiterreisen.
(Spanien zählt 17 Autonome Gemeinschaften und 2 Autonome Städte – diese Autonomen Gemeinschaften wiederum sind unterteilt in Provinzen.)
Touristen werden an den Provinzgrenzen nicht kontrolliert (unsere Erfahrung), für Spanier ist es jedoch unmöglich, die Provinz, und schon gar nicht die autonome Region zu verlassen. Keine Möglichkeit z.B. Eltern oder Freunde zu besuchen, auch wenn sie nur wenige Kilometer entfernt wohnen. Das ist traurig, erstaunlicherweise werden die strengen Covid-19 Massnahmen jedoch von den Spaniern scheinbar ohne Murren mitgetragen.
Restaurants sind weiterhin zu eingeschränkten Zeiten offen, jedoch ist sonst vieles (Museen, historische Stätten) zu und es gibt Maskenpflicht auch im Freien sowie eine Ausgangssperre. All das macht eine Besichtigung der Städte nicht interessant. Zudem wollen wir ein bisschen solidarisch mit unserem Gastland sein. Die Städte laufen uns nicht davon, und einige haben wir bereits früher besucht. Wir fragen einen komfortablen und am Meer gelegenen Campingplatz an der Costa del Sol für den Preis an. Dieser ist für einen Monat sehr attraktiv – quasi 2 Wochen bezahlen und 4 Wochen bleiben. Auch der Hochsaisonzuschlag für die Semana Santa fällt weg. Da schlagen wir natürlich zu. Übrigens, Portugal ist jetzt Mitte März immer noch zu, auch Marokko bewegt sich nicht.
Wir packen unsere Siebensachen und fahren durch die Wüste von Tabernas, nördlich am Fuss der schneebedeckten Sierra Nevada entlang und dann stechen wir südwärts an die Costa del Sol. Der La Bella Vista Campingplatz liegt etwas südlich von Estepona zwischen Marbella und Gibraltar.
Durch den wilden Westen von Spanien
Wusstet ihr, dass weltbekannte Western wie z.B. „Spiel mir das Lied vom Tod“, aber auch „Lawrence von Arabien“ oder Indiana Jones Abenteuer und viele mehr hier in der Wüste von Tabernas, im Hinterland von Alméria gedreht wurden? Fort Bravo und die Tabernas-Wüste waren auch Kulisse für „Vier Fäuste für ein Halleluja“ mit Terrence Hill und Bud Spencer. Spannend, die Geschichte und Geschichten auf dem Netz nachzulesen. Von den über 10 Wildwest-Orten sind noch drei erhalten, und es werden echte Wildwest-Shows mit Cowboys und Indianern und wilden Schiessereien vorgeführt. Jetzt leider alles wegen Covid geschlossen und tot!
Wir fahren nach Oasys und Fort Bravo, machen ein paar Fotos aus der Distanz und weiter gehts.
Entlang der Sierra Nevada, und kurzer Abstecher über Panoramaroute
Wir fahren weiter durch die staubige Wüstenlandschaft, und schon bald sehen wir linkerhand die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Die Landschaft mit den rötlichen Felsen erinnern ein bisschen an Amerika. Kurz vor Granada biegen wir ab in die Berge. Wir wollen dort übernachten gehen. Über die GR-3202 erreichen wir das verwinkelte Dörfchen Monachil und nehmen die enge und kurvige Carr. de El Purche unter die Räder. Awenasa schnauft den Berg hoch. Wir finden ein tolles Plätzchen für eine ruhige Nacht. Am nächsten Tag schlängelt sich die Strasse durch einen Wald, bevor dann die Verzweigung auf die breitere A-395 kommt. Zurück Richtung Granada und dann südwärts ans Meer.
Einfach Sein – Sonnenbaden und Storm-Watching
So, da bleiben wir nun für einen Monat von Mitte März bis Mitte April. Schöne Tage mit Frühbad im 15° warmen Mittelmeer wechseln sich ab mit stürmischen Perioden. Es ist halt noch Winter. Der Platz ist fast leer, ein paar Deutsche und etwas mehr Briten, die hier überwintern. Mit dem Brexit haben sich die Bedingungen für die Briten stark geändert. Statt 6 Monate dürfen sie nur noch 3 Monate bleiben, und so sind zahlreiche Wohnwagen nicht belegt. Wir laufen am langen schwarzen Sandstrand, fahren mit dem Bike vorbei am historischen El Castillo nach La Duquesa mit seinem hübschen, von zahlreichen Restaurants gesäumtem Yachthafen. Der Rad- und Spazierweg führt durch San Luis de Sabinillas (zahlreiche Läden, Restaurants, Dienstleistungen) bis kurz vor Estepona, wo er abrupt endet. Weiter müsste man auf die stark befahrene, richtungsgetrennte AP-7. Entlang dem Strand stehen hübsche Chiringuitos, sympathische kleine Bar/Restaurants, teilweise mit Liegestühlen. Auf der Karte natürlich viel Fisch, Schalentiere und hauseigene Spezialitäten. Da wir immer selber kochen, kehren wir nur hie und da für ein Glas Wein oder ein Bierchen ein, z.B. wenn wir Besuch von Freunden erhalten.
An Ostern (Semana Santa) gibt es dann mehr Betrieb. Spanische Familien – Kinder mit Velos, Väter mit Angelruten – schwirren an, stellen ihre Wohnwagen und Vorzelte. Maximal 5 Tage, dann ist der Zauber vorbei. Wegen der Reiseeinschränkung (Provinz/Gemeinde Malaga darf nicht verlassen werden) hält sich die Besucherzahl jedoch in Grenzen.
Von der Küste durch die Sierras
Mit Freude starten wir unsere Awenasa mit Ziel Ronda. Zahlreiche kunstvolle Informationstafeln an Aussichtspunkten erklären die Gegenden und Geschichten (auf spanisch).
Weisse Dörfer – und ein Blaues!
Die „Weissen Dörfer“ Andalusiens sind berühmt und immer gerne besucht. Eines der bekannteren ist Ronda, eine der ältesten Städte Spaniens auf einem Felsplateau gelegen. Eine fotogene Steinbrücke, die Puente Nuevo verbindet den alten und den neuen Stadtteil. Alt-Ronda wurde zur Zeit der maurischen Herrschaft gebaut, die Neustadt zirka im 15. Jh. Einige Sehenswürdigkeiten wie eine zentral gelegene Stierkampfarena aus dem 18. Jahrhundert ziehen Touristen an. Wir parkieren unsere Awenasa auf einem Wohnmobilstellplatz am Eingang des Städtchens und radeln die rund zwei Kilometer ins lebendige Zentrum. Es ist wunderschönes Wetter an diesem Samstag, und viele Spanier und wenige Touristen sitzen in den zahlreichen Aussenrestaurants oder schlendern durch die verwinkelten Gassen.
Ronda
Rundfahrt ab/bis Ronda nach Júzcar, ins Schlumpfdorf von Spanien
Heute lassen wir den Anhänger auf dem Stellplatz zurück und fahren ins rund 22 km entfernte Júzcar. La aldea azul, das blaue Dörfchen mit rund 240 Einwohnern kannten wir nicht – Esther und Xaver aus der Zentralschweiz, welche wir auf dem Stellplatz kennengelernt haben – haben uns den Tipp gegeben. Über eine tolle Strasse durch die Berge der Serranía de Ronda erreichen wir das blaue Dörfchen. Wir spazieren durch die Gassen. Die Häuser sind teilweise mit Wandbildern bemalt, und ein Foto mit dem Schlumpf darf nicht fehlen, bevor wir uns in eines der sympathischen Terrassenrestaurants setzen.
Und nur zur wichtigen Frage: warum ist dieses Dörfchen blau und nicht weiss?
Im Jahr 2011 wurden alle Hausfassaden und sogar die Kirche für Dreharbeiten zum Film „Die Schlümpfe“ blau getüncht. Bei einer Abstimmung gegen Ende des Jahres wurden die Bewohner gefragt, ob die Häuser weiterhin blau bleiben oder in den weissen Ursprungszustand zurückversetzt werden sollen. Der Grossteil der Bewohner stimmte für die Farbe blau, und damit bleibt Júzcar blau und gilt als erstes Schlumpfdorf der Welt.
Nachzulesen auf https://www.andalusien360.de/juzcar
Für den Rückweg nach Ronda wählen wir eine andere Route. Wir holen unseren Camper am Dorfeingang ab, und fahren erst durch das Dörfchen (die Gäste in den Aussenrestaurants ziehen die Füsse ein:-)), dann über eine noch engere Strasse via Farján durch die Sierra zurück nach Ronda. (Für grössere/höhere Camper nicht zu empfehlen; Strasse schmal und Äste der Bäume hängen sehr tief!).
Entlang weisser Dörfer bis Arcos de la Frontera
Es gibt kleinere und grössere weisse Dörfer, und wir stellen uns eine landschaftlich interessante Route zusammen. Als erstes wollen Grazalema besuchen, es soll eines der schönsten „Weissen Dörfer“ sein, und der Naturpark Sierra de Grazalema, ein Paradies für Wanderer und Naturfreunde.
Wir fahren durch ausgedehnte Korkeichenwälder und stoppen in Grazalema, bevor es in die Berge der Sierra de Pinar geht. Die Berggipfel und die spektakuläre Aussicht gefallen uns sehr. Wir wollen auch mehr über die Korkeichen wissen und lesen, dass die Waldlandschaften von Andalusien und Extremadura einen grossen Teil des weltweiten Korkbedarfs decken.
Unser Ziel heute ist Arcos de la Frontera. Der Stellplatz am Ortseingang gefällt uns aber gar nicht, so fahren wir weiter an den Arcos See. Am nächsten Tag können wir immer noch mit den Fahrrädern nach Arcos de la Frontera fahren, wenn wir wollen (Das haben wir dann nicht mehr gemacht, da die historischen Bauten coronabedingt geschlossen sind, und sich die Dörfchen sonst ja alle etwas ähnlich sind). Wir erleben einen super Sonnenuntergang, auch die Gänse scheinen darauf zu warten. In Reih und Glied stehen sie erwartungsvoll da. Oder doch nicht wegen dem Sonnenuntergang? Eine Frau erscheint mit einem Kübel mit Maiskörnern, und alle Tierchen wenden ihre Aufmerksamkeit darauf:-)
… und jetzt an den Atlantik
Wir sind jetzt in der zweiten Hälfte April. Das heisst, dass die an der Atlantikküste vorherrschenden starken Winde langsam abnehmend sollten. Andernfalls können wir ja wieder umkehren.
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